Wenn man aus dem Bus in Sydney steigt, weiß man genau was man sehen möchte: das Opera House, die Harbour Bridge und das große Umfeld der Hafenlage. Aber als wir uns morgens in Melbourne aus der neusten YHA Australiens wegbewegten, waren wir doch etwas hilflos. Was schauen wir uns jetzt eigentlich an? Die Ruhe und die wenig auf riesige Highlights besonnene, zweitgrößte Metropole Australiens bekommt von den Australiern oft den Ruf, eine eher langweilige Stadt zu sein, doch kürt „The Economist“ des Öfteren die alte Goldgräberstadt zu der meist lebenswertesten Stadt der Welt (zuletzt 2005). Was macht diese Stadt also so aus? Was wir bisher immer hörten, war das kulturelle Umfeld; zahlreiche Museen, Galerien und Theater reihen sich in die Stadtkarte ein wie die kulinarischen Spezialitäten von hunderten Bars und Restaurants. Aber was diese Stadt nicht hat, sind Aushängeschilder, die man auf jeder Melbourne-Reisekatalogseite sieht oder jeder Mensch mit der Stadt verbindet und uns, auf Anziehungspunkte erpichte Touristen, erst einmal in Schwierigkeiten brachte. Somit fuhren wir zunächst mit der kostenlosen Touristen-Tram, die das Stadtzentrum umfährt und uns nach den folgenden Spaziergängen doch den Charme dieser Stadt vermitteln konnte. Es ist die Schönheit des Ganzen, ohne das etwas explizit heraussticht. Alle größeren Touristikangebote wie Hafenfahrt, Turmausblick, Riesenrad, Stadtaquarium haben wir schon in anderen Städten gemacht und glauben, dass Melbourne nicht gegen die zuvor gesammelten Erfahrungen antreten könne. Aber Melbourne glänzt durch die sonderbare Architektur jedes Gebäudes, das so sonderbar und einzigartig für sich ist, dass es in dieser Stadt selber aber wieder gar nicht auffällt und ein wunderschönes Ganzes bildet. Unsere ersten beiden Tage verbrachten wir also mit der Besänftigung der teilweisen Hektik in Sydney und dem Genießen der Ruhe in Melbourne. Allerdings erlebten wir am Abend im einzigen Casino des Staates Victoria, die einzige nennenswerte großen Attraktion der Stadt. So schnell wir mit Optimismus in das funkelnde Gebäude gingen kamen wir auch innerhalb unserer Besichtigung und 10 Minuten Spielzeit $32 ärmer wieder raus. Roulette ist doch nicht so leicht wie es aussieht…aber bis Las Vegas haben wir ja noch weitere Lernzeit.


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